Galaxy Nexus – Beam me up! (ein Fazit)
Nachdem ich mich nun eine Weile mit dem Galaxy Nexus sowie Ice Cream Sandwich aka Android 4.0 auseinandersetzen konnte, möchte ich mich noch etwas mehr zu diesem Gerät auslassen.
Das Gerät ist ein – wie ich finde – schönes Stück Hardware. Der fehlende Home-Button ist gewöhnungsbedürftig. Mir fehlt er jedenfalls irgendwie beim Entsperren. Auch an die Größe des Gerätes muß man sich erstmal gewöhnen. Das Galaxy Nexus liegt jedoch gut in der Hand und das Gewicht ist auch angenehm (145g). Im Vergleich dazu ist mir das Samsung Galaxy S2 (derzeit bei mir im Einsatz als Firmenhandy) mit seinen 116g ja für meinen Geschmack zu leicht (Das iPhone 4s wiegt übrigens 140g).
Die Kamera ist verdammt fix und kann ähnlich wie bei iOS 5 über den Lockscreen direkt angesprungen werden. Also ideal für Schnappschüsse. Mitgeliefert wird auch eine neckische Bildbearbeitung, die aus dem Betrachter herausgestartet werden kann. Darin gibt es auch eine Hand voll Effekte, die an sich nicht schlecht sind, aber besser von den mittlerweile auch für Android zahlreich verfügbaren Bildbearbeitungsapps erschlagen werden. Der Workflow heraus aus der Kamera/der Bildbetrachtung ist stimmig. Man kann mal eben nach dem Aufnehmen fix das Bild bearbeiten/korrigieren/beschneiden, um es dann über den Lieblingsdienst mit anderen teilen zu können.
Übrigens auch einer der großen Pluspunkte (wie ich finde) im Vergleich zu iOS. Ich kann es an alle möglichen Apps aus dem Bildbertrachter heraus direkt weitergeben anstatt nur an Mail, Tweet oder Nachrichten-App gebunden zu sein. Android-Apps mögen zwar längst alle nicht so “sexy” wie iOS-Apps sein, aber die Interaktion untereinander ist deutlich besser (IMHO).
Stichtwort Interaktion. Mit dem Beamen via NFC kann man mit Ice Cream Sandwich (Android 4.0) und einer passenden Gegenstelle Webseiten, Apps, Kontaktadressen untereinander austauschen. Dazu hält man die beiden Geräte dicht beieinander und wartet darauf, daß sie zum Transfer bereit sind. Dann nur noch auf den Bildschirm tippen und der Gegenüber hat das Gewünschte auf seinem Android. Dank der frühen Auslieferung von Ice Cream Sandwich an viele Nexus S Besitzer (derzeit ist die Auslieferung gestoppt, da Google auf Feedback wartet um evtl. Bugs noch fixen zu können), konnte ich es bei mir in der Firma (dort rennt ein ganzes Rudel Nexus S rum) mit dem Nexus S als Gegenstelle kurz antesten. Es funktionierte meistens, aber nicht immer. Ich vermute daran muß Google noch einmal ran und feintunen. Diese Funktion – das Beamen – wird allerdings auch erst dann richtig Spaß machen, wenn NFC in mehr Smartphones zu finden ist. Und dann auch wohl nur vorerst mit Android-Gegenstellen.
Der Browser wurde auch grundlegend überarbeitet (vgl. mit Android 2.3 Smartphones). Honeycomb-Nutzer (Android 3.x) wird die eine oder andere für Smartphones neue Funktion sicherlich vertraut vorkommen. Das Handling der Tabs – das Wechseln zwischen den einzelnen geöffneten Webseiten – ist deutlich einfacher geworden, da man die Übersicht der Tabs jetzt über einen Button direkt neben der URL-Zeile aufrufen kann. Und – was ich auch aus eines Honeycomb-Benutzers sehr praktisch finde – man kann jetzt einfach über das Menü die Einstellung “Desktop-Version (anzeigen)” auswählen, um nicht die kastrierte Web-Seite angezeigt zu bekommen. Womit wir auch schon bei einem Vorteil des großen Displays (4.65″ bzw. 11.8cm) mit der hohen Auflösung (1280×720) wären. Man kann Webseiten damit nochmal besser unterwegs komsumieren. Viel hilft viel wie mein Kollege immer zu sagen pflegt.
Filmchen schauen macht damit natürlich auch viel mehr Spaß. Wenn man das mal so gegen das 3.5″ (8,89cm, 960×640) Display eines iPhones oder anderen Smartphone hält, ist das natürlich ein ganz anderer Schnack. Das Galaxy Nexus macht mal eben 720p (1280×720). Schade nur, daß das Nexus seitens der Lautsprecher etwas schwach auf der Brust ist. Da muß man dann schon mal eher zum Kopfhörer greifen. Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, meine Standard-Testvideos (Sintel 720p, 1080p, MKV, MP4) zum Testen vorzuwerfen. Der mitgeliefert Videoplayer krankt immer noch (wie der von Honeycomb) an den meisten Formaten, die ich ihm vorwarf. Richtig flüssig spielte er nur den Trailer mit 720p im mp4-Format. Bei den anderen fehlten entweder Ton oder das Bild lief nicht flüssig. Schade. Aber es gibt da ja 3rd Party Apps, die das unter Honeycomb schon deutlich besser hinbekamen. Leider tut der Mobo Video Player nicht – zumindest nicht bei mir. Der rockt auf jeden Fall unter Honeycomb und erspart das Konvertieren.
Was mir auch sehr gut gefällt ist das verbesserte System für die Benachrichtigungen. Anstatt nur alle Benachrichtungen auf einmal zu löschen kann so nun einzelne Benachrichtungen wegwischen. Auch Shortcuts wie der Aufruf des Android Market über ein Icon rechts oben im Programm Manager bzw. der Programm-Übersicht ist schon lässig. Und sehr hilfreich ist die Überwachung bzw. Erfaßung des Datenverkehrs. Man kann sich auch ein Limit für den mobilen Datenverbrauch setzen, wo man benachrichtigt wird. So hat man sein Limit auf seinem Datentarif viel besser im Griff. Man kann sich sogar herunterbrechen lassen, welche App wieviel Daten verbraucht hat. Rockt!
Über den neuen Kalender und den neuen E-Mail-Client habe ich mich ja schon im ersten Artikel (Galaxy Nexus – erste Eindrücke) ausgelassen. Wirklich sehr gefällig auch diese beiden verbesserten Apps. Man kann Screenshots jetzt übrigens ganz einfach via Drücken von Ein/Ausschalter und Lautstärke-Knopf anfertigen. Die Betstätigung desselben landen auch im Notifiation-Menü, so daß man sie auch direkt anspringen kann.
Mein Fazit – das Galaxy Nexus ist nicht zuletzt durch das neue Android 4.0 aka Ice Cream Sandwich ein weiterer Meilenstein in der Android-Entwicklung. Es gibt sicherlich immer noch Punkte, die verbesserungsbedürftig sind und es wird genauso wie bei Honeycomb dauern bis 3rd Party-Apps das Potential von Ice Cream Sandwich ausschöpfen. Aber im Gegensatz zu Honeycomb (Android 3.x) denke ich, daß sich wesentlich mehr Entwickler auf Apps für Ice Cream Sandwich stürzen werden als für Honeycomb, da Ice Cream Sandwich nicht nur für Tablets gedacht ist.
Ich bin auf jeden Fall schwer am Überlegen mein Dienst Samsung Galaxy S2 gegen ein Galaxy Nexus auszutauschen (Smartphone Junkie).
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