Und was ist mit MeeGo?
Nokia hat sich also entschieden Windows Phone als seine künftiges primäres Betriebssystem für seine kommenden Smartphones einzusetzen. Ich will mich hier gar nicht groß über Window Phone oder Microsoft auslassen. Nachdem was ich bisher darüber gelesen und davon gesehen habe, interessiert mich Windows Phone einfach nicht. Es reizt mich schlicht nicht. Genausowenig wie Windows auf anderen Geräten. Ob Windows Phone die richtige Wahl von Nokia als neue Plattform war, wird die Zukunft zeigen.
Neben dem ganzen negativen Feedback in den Medien, gibt es allerdings auch einige Stimmen, die es als echte Chance ansehen. Eine solche andere Betrachtungsweise findet sich u.a. bei Robert Scoble, der den Nokia Fans ganzen offen sagt „Dear Nokia fans: you’re nuts!“. Wenn es erstmal Apps für Windows Phone gibt, wird alles besser. Wir werden sehen wie sich das „dritte Ökosystem“ in den nächsten Jahren machen wird. Android wurde auch anfangs müde belächelt.
Eine (für mich) viel interessantere Frage ist: Und was ist mit MeeGo?
Nokias CEO Stephen Elop sieht MeeGo (nur) noch als eine experimentelle Plattform für Nokias Smartphones. Eine Plattform mit der man lernen will für die nächste Generation von Smartphones. Wobei es ja eigentlich schon keine Smartphones mehr sind, sondern portable Kleinstcomputer, die schon vieles können, was der heimische Desktop-PC leistet.
MeeGo wird seitens Nokia immer noch weiterentwickelt werden, wenn auch künftig mit kleinerem Budget wie man der R&D-Grafik von Nokia entnehmen kann. Und es wird auch irgendwann dieses Jahr noch ein (in Worten: 1) Gerät von Nokia mit MeeGo geben.
Letztes Jahr um diese Zeit hatte man übrigens MeeGo zusammen mit Intel noch vollmundig als „for new era of mobile computing“ auserkoren als man das hauseigene Maemo mit Moblin von Intel zusammenwarf. In der Zwischenzeit gab es auch seitens Intel schon einige Demos, wo MeeGo auf verschiedenen Geräten wie z.B. in Verkaufsautomaten, Fernsehern, Netbooks und in einer ganz frühen Version auch auf einem Tablet zum Einsatz kam. Das Video einer sehr sehr frühen Version (pre-Alpha) dazu sah auf jeden Fall recht viel versprechend aus.
Von Nokia sah man noch nichts (offiziell). Intel hat schon auf Nokias gestern verkündete Neuorientierung reagiert.
Although Nokia has been an important partner to Intel and MeeGo and we are disappointed by this decision, it’s important to know that this is by no means the end of MeeGo or the end to Intel’s commitment and the continued progress MeeGo has made and is making to the multi-device ecosystem.
Intel ist enttäuscht von Nokias Entscheidung, aber Intel sagt klar, daß es nicht das Ende von MeeGo bedeutet. MeeGo ist nicht nur einfach ein weiteres Betriebssystem für Smartphones, sondern eben auch ein OS für viele andere Geräte.
MeeGo is not just a phone OS, it supports multiple devices. It is already shipping and we’re seeing early momentum across multiple segments today, including automotive systems, netbooks, tablets, and set-top boxes.
Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wird Intel seine Strategie für mobile Plattformen vorstellen. Und dort werden sicherlich auch Tablets und Smartphones anderer Hersteller gezeigt werden, die z.B. auf Intels Moorestown CPU setzen.
Eine weitere Reaktion ist auch von Quim Gil im Maemo-Forum zu lesen. Quim Gil arbeitet für Nokia und hat sich schon seit der Verschmelzung von Maemo und Moblin um die Öffentlichkeitsarbeit und die Entwickler- und Nutzergemeinde sehr intenstiv gekümmert. Er rät dazu Ruhe zu bewahren und abzuwarten, was noch an weiteren Ankündigungen kommt. Schließlich hat der Mobile World Congress noch nichmal angefangen und es wäre überstürzt MeeGo abzuschreiben.
Nokia hat sicherlich einen nicht unerheblichen Beitrag zu MeeGo geleistet und wird das auch vorerst weiter tun. Und wenn auch MeeGo vielleicht nicht auf Netbooks bisher überzeugen konnte (kein Netbook-Hersteller setzt es bisher ein) und die Arbeiten an der MeeGo Netbook Experience anscheinend eingestellt werden, wird es uns sicherlich auf anderen besser dafür geeigneten Geräten begegnen.
Mich haben die ersten öffentlichen und frei verfügbaren MeeGo-Versionen sowohl auf den Netbooks als auch auf dem Nokia N900, das ich noch mein Eigen nenne, nicht überzeugen können. Allerdings ist das auch nur eine Basis dessen, was Hersteller nutzen und genau wie Android veredeln können. Das UI – die Benutzungsoberfläche – wird vom jeweiligen Hersteller geprägt sein. Es kursierte kurzfristig mal ein Video im Netz mit einer Demo dem Nokiaschen UI für eine MeeGo-Smartphone, was allerdings schnell wieder verschwand. Das sah ganz anders aus als das was man zum Testen für sein Nokia N900 herunterladen kann.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was an fertigen MeeGo-Produkten auf dem Mobile World Congress vorgestellt wird. Ich denke nach wie vor, daß MeeGo auch auf Tablets und Smartphones könnte noch ein ernsthafte weitere Alternative zu iOS, Android und natürlich webOS werden.
Update: Fujitsu hat ein Netbook mit MeeGo angekündigt. Also gibt es doch Netbook-Anbieter, die darauf setzen. Frage mich allerdings, ob und was sie an der Standard-UI geändert haben.
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